Ökonomisches Denken

Rationell mit knappen Ressourcen umgehen

Unser Körper spart Energie, wo er kann. Würde er sich nicht effizient verhalten, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Hätte er die Kosten-Nutzen-Relation seiner Handlungsweisen nicht beachtet,  wäre er mit knappen Ressourcen nicht rationell umgegangen, wären die Menschen verhungert, als sie sich das Essen selbst besorgen und nicht im Supermarkt kaufen konnten. Wir waren darauf angewiesen, mit möglichst wenig Energieverbrauch möglichst große Wirkungen zu erzielen. Das machen nicht nur die Menschen so, das haben wir mit allen Lebewesen gemein.

Der größte Energiefresser – das Denken

Beim Mensch ist das Organ, das sowohl bezogen auf sein Gewicht als auch absolut die meiste Energie verbraucht – das Gehirn! Ewa ein Drittel der vom Körper insgesamt verbrauchten Energie gehen für die Aufrechterhaltung unseres Denkens drauf. Denken scheint also eine energieaufwändige Leistung zu sein, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Man könnte auch sagen: Denken macht schlank.

Energie sparen mit dem Autopilot

Dick zu werden, ist aber ein sehr neues Problem der Menschheit, den größten Teil ihrer Geschichte war ihr Problem, nicht zu verhungern – und in manchen Gegenden der Welt ist das immer noch so. Um den Energieaufwand für das Gehirn möglichst niedrig zu halten, hat sich die Evolution einen genialen Trick einfallen lassen: Viele Denkvorgänge laufen automatisch ab, ohne unser Bewusstsein zu erreichen. Den größten Teil unserer Zeit laufen wir also auf Autopilot. Wenn Sie mir nicht glauben, denken Sie an Ihre letzte Fahrt in die Firma zurück. Wahrscheinlich können Sie sich an die Fahrt nicht mehr erinnern, denn sowohl das Autofahren als auch der Weg in die Arbeit ist oft und lange trainiert und erfordert keine bewusste Denkleistung mehr. Wir überlassen also unserem Unterbewusstsein diese Arbeit, und da es einfacher strukturiert ist, kann es sie deshalb effizienter leisten.

Das Unterbewusstsein gibt Ihnen also die Möglichkeit, bewusst an Anderes zu denken. Das ist gut, denn wären wir ständig damit beschäftigt, jede unserer Handlungen bewusst zu steuern, wäre unser Bewusstsein ständig mit alltäglichen Dingen beschäftigt. Wir kämen nicht dazu, nachzudenken. Zum Beispiel ist es für Sie kein Problem, quer durchs Zimmer zu laufen, für ein Baby aber wohl. Es muss nämlich jede Bewegung noch bewusst steuern. Es hat zu wenig Übung, um die Steuerung des Bewegungsablaufs dem Unterbewusstsein zu überlassen.

Auch bei einer automatisch ablaufenden Autofahrt können Sie sich bestimmt an eine Situation erinnern, als irgend so ein Penner sie gefährlich geschnitten hat und sie ganz schnell reagieren mussten. Und weil Sie sich daran erinnern können, wissen wir, dass Sie da nicht mehr automatisch reagiert haben, sondern dass das Bewusstsein die Steuerung übernommen hat. Plötzlich waren Sie hellwach. Leider klappt diese Übergabe der Steuerung an das Bewusstsein nicht immer – das gibt dann einen Unfall.

Das Unterbewusstsein – effizient und schnell in Krisen

So wie das Unterbewusstsein die Kontrolle übernimmt, gibt es sie auch wieder im richtigen Moment ab – manchmal. Denn es gibt neben Routineaufgaben noch andere, die das Unterbewusstsein übernimmt, weil es nicht nur effizienter, sondern auch schneller ist. Auf einen Reiz, ein Ereignis, hat das Bewusstsein nämlich viele Antworten, die es erst abwägen muss, und das kostet Zeit. Das Unterbewusstsein hingegen ist wie gesagt einfacher gestrickt – ein Reiz, eine Antwort. Wenn ich etwas auf mich zu fliegen sehe, ducke ich mich automatisch, ohne lange darüber nachzudenken, ob es vielleicht besser wäre, den Gegenstand aufzufangen, zur Seite zu treten oder wegzulaufen.

Diese Reizantworten sind lange trainiert und helfen uns beim Überleben. In Notsituationen reagieren wir „automatisch“. Müssten wir in jeder Notsituation über unsere Reaktionen nachdenken, wären wir zu langsam, der berühmte Säbelzahntiger hätte uns längst gefressen.

Wer übernimmt bei Angst und Ärger die Kontrolle?

Das Erstaunlichste ist, dass unser Gehirn in bestimmten Situationen meist richtig entscheidet, ob wir etwas bewusst oder unbewusst tun, welcher Teil unseres Gehirns also die Kontrolle übernimmt. Denn auch das entscheidet das Unterbewusstsein. Es weiß also meist, wann es den „Chef“ rufen muss.

Meist – aber nicht immer. Es gibt nämlich Situationen, in denen unser Unterbewusstes die Kontrolle übernimmt, auch wenn das nicht besonders sinnvoll ist. Das passiert zum Beispiel bei großer Angst oder bei großem Ärger, also immer, wenn die Emotionen uns überwältigen. Wir kommen dann garnicht zum Denken, unser Gehirn schaltet auf Autopilot, obwohl wir gerade dann unseren Intellekt besonders brauchen würden!

Wenn uns also der Chef anbrüllt, sodass wir Angst haben, können wir oft nicht mehr klar denken, obwohl wir gerade dann unseren ganzen Verstand für vernünftige Reaktionen brauchen würden. Stattdessen „machen wir uns klein“, denn diese Reaktion hat sich in unserer Kindheit als richtig erwiesen. Wir hoffen auf den Welpenschutz, damit der Chef nicht zubeißt. Aber den haben wir natürlich längst nicht mehr. Hinterher, wenn das „Gespräch“ längst vorbei ist, fallen uns dann treffende und überzeugende Antworten ein.

Genauso reagieren wir bei großem Ärger oft nach dem Muster eines kleinen Kindes: Wir versuchen zu schlagen, kaputt zu machen, was uns ärgert. Wir ändern also nicht die Situation auf eine sinnvolle, „erwachsene“ Art und Weise, sondern wir verhalten uns „kindisch“. Wobei „kindisch“ eigentlich der falsche Ausdruck ist, wir verhalten uns eigentlich wie ein Kind, also „kindlich“.

Was tun in Krisen?

Damit in Krisensituationen nicht der Autopilot das Steuer übernimmt, sollten wir trainieren, erst nachzudenken und dann zu reagieren. Wir sollten versuchen zu analysieren, wann wir automatisch reagieren und woher diese Reaktionen kommen. Wie haben wir sie gelernt – denn sie sind immer erlernt – und wie wir den Verstand einschalten können. Das klappt nicht auf Anhieb, oft fällt uns erst später auf, dass wir wieder einmal unseren Automatismen gefolgt sind. Haben wir das Einschalten des Verstandes aber lange und oft genug trainiert, so kommt dieser Gedanke automatisch. Er wird ein neuer Teil unserer unterbewussten Reaktionsmuster, was die Möglichkeiten unserer Handlungen erweitert. Dennoch – wie oben schon erwähnt – Nachdenken braucht Zeit, weshalb ist der alte Ratschlag sehr sinnvoll ist, erst einmal ruhig durchzuatmen, bevor man in einer emotionsgeladenen Situation reagiert. Diese Zeit haben wir heute im Umgang mit anderen Menschen meist, denn auch wenn sich der Chef so aufführt: Er ist kein Säbelzahntiger und wird uns nicht fressen, nur weil wir uns die Zeit zum Nachdenken nehmen. Und wenn wir wie beim Autofahren keine Zeit haben, über unsere Reaktionen nachzudenken, dann ist das Einüben der richtigen Reaktion Sache eines Fahrtrainings.

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