Skripte – schädliche für Führungskräfte

Ein Skript – was ist das?

Ein Skript ist zum Beispiel das Drehbuch, das einem Schauspieler vorschreibt, wie er zu handeln und zu sprechen hat. In der Psychologie allerdings sind Skripte ein Konzept aus der Transaktionsanalyse, einem von Eric Berne entwickelten psychotherapeutischen Verfahren. Danach entwickeln Menschen in der Kindheit eine Kombination aus Glaubenssätzen und Verhaltensmustern, die sie nicht mehr frei agieren lässt, sondern an bestimmte Skripte bindet. Sie haben so nur eingeschränkte Möglichkeiten zu agieren, das Agieren wird alternativlos und muss den Skripten folgen.

Glaubenssätze sind oft Sprichworte aus unserer Kindheit, wie: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Auch wenn sie falsch sind, haben wir sie so oft gehört haben, dass sie für uns schließlich wahr wurden. Verhaltensmuster wurden uns vorgelebt, und da die für das Kind allmächtigen erscheinenden Erwachsenen so gehandelt haben, wurden sie Muster des eigenen Verhaltens.

Gehören Skripte zu uns?

Skripte als Kombinationen aus Glaubenssätzen und Verhaltensmuster sind umso wirksamer, als sie uns nicht bewusst sind. Wir haben sie sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen und betrachten sie als einen Teil unserer Persönlichkeit.

Doch gehören diese Skripte keineswegs zu uns, sondern zu demjenigen, der sie uns eingepflanzt hat. Die Einschränkungen unseres Verhaltens, die wir durch sie erfahren, sind nicht die unserer eigenen Psyche, Wir haben sie übernommen. Können wir den Skripten allerdings nicht folgen, kommt es zu inneren Konflikten, jedenfalls solange wir die Skripte nicht bearbeitet haben.

Welche Arten von Skripten gibt es?

Skripte können uns zu bestimmten Handlungsweisen treiben, dann heißen sie (innere) Antreiber. Andere, die sogenannten Einschärfungen oder Bann-Botschaften, verhindern, dass wir uns auf eine bestimmte Art und Weise verhalten.

  • Antreiber:

– Sei perfekt!                                            – Streng Dich an!
– Beeil Dich!                                            – Sei stark!
– Mach es anderen recht!

  • Einschärfungen / Bann-Botschaften:

– Sei nicht!                                                 – Sei nicht Du!
– Fühle nicht!                                            – Zeige keinen Ärger!
– Sei nicht wichtig!                                  – Sei nicht erfolgreich!
– Sei kein Kind!                                        – Werde nicht erwachsen!
– Denke nicht!                                          – Sei nicht nah!
– Gehöre nicht dazu!                               – Sei nicht gesund!

 

Man möchte kaum glauben, dass Eltern ihren Kindern solche Einschärfungen  wie „Sei nicht erfolgreich!“ mit auf den Lebensweg geben, leider ist das aber durchaus tägliche Realität. Selbstverständlich tun Eltern das nicht bewusst.

Heute möchte ich mich aber mit den inneren Antreibern beschäftigen, die Einschärfungen werden Thema eines späteren Blogs sein. Die Antreiber klingen ja erst einmal sehr positiv. Sie scheinen im Leben und im Beruf nützlich zu sein. Trotzdem sind sie, vor allem für Führungskräfte, ausgesprochen schädlich, da sie deren Handlungsfreiheiten einschränken.

Sind Eltern also an allem schuld?

Natürlich nicht! Eine Familie ist ein System, in dem jeder seine Rolle spielt. Auch die Reihenfolge der Geschwister oder das eigene Empfinden kann eine Rolle spielen, oder ein Lehrer, oder jemand anderes, der uns wichtig erschien. Skripte können viele Quellen haben, auch wenn die Eltern sicherlich eine besondere Rolle spielen.

Die Antreiber und ihre Auswirkungen

Um es noch einmal zu betonen: die Eltern, Großeltern oder andere mit der Erziehung der Kinder betrauten Personen haben diesen die Antreiber nicht bewusst mitgegeben. Sie handeln fast immer  unbewusst, denn sie haben die Antreiber von ihren Vorfahren als Kinder übernommen.

Schauen wir uns einige innere Antreiber im Einzelnen an:

  • Sei perfekt!

Das positive an diesem Antreiber ist, dass es uns dazu bringt, Fehler möglichst zu vermeiden.
In Deutschland allerdings scheint er zu weit verbreitet zu sein, was dazu führt, dass es bei uns nur selten eine ausgeprägte Fehlerkultur gibt. Wir können mit Fehlern – eigenen oder fremden – schlecht umgehen. Jemand der keine Fehler machen kann, probiert aber auch nichts Neues aus, er bleibt beim anscheinend bewährten Alten.

  • Beeil Dich!

Das klingt erst einmal positiv. Trödeln kostet Zeit, und Zeit ist Geld. Und wer als erster fertig ist, hat gewonnen.
Allerdings ist jemand, der sich beeilt, deshalb noch lange nicht als erster fertig. Wir alle kennen Hektiker, die mit rasender Geschwindigkeit jede Aufgabe versemmeln. Als Führungskraft schwingen sie unerbittlich die Peitsche und lassen niemand auch nur die geringste Chance, über seine Aufgabe nachzudenken.

  • Mach es anderen recht!

Ein angenehmer Mitarbeiter! In vorauseilendem Gehorsam hat er schon die Aufgabe angegangen, die ihm seine Führungskraft erst noch geben will.
Leider kann ein solcher Mensch nicht „Nein!“ sagen. Er übernimmt jede Aufgabe, die ihm angetragen wird, und ist irgendwann heillos überlastet. Als Führungskraft ist er noch unerträglicher: Da er nicht „Nein!“ sagen kann, ist von ihm keine Entscheidung zu erwarten, die Bestand hat. Denn einer mault immer, und dann wird die Entscheidung ihm zuliebe umgestoßen.

  • Streng Dich an!

Na klar, ohne Anstrengung ist nichts zu erreichen.
Ist man allerdings durch seinen inneren Antreiber gezwungen, sich ständig anzustrengen, ist der Burnout nicht weit. Ein Führungskraft mit diesem Antreiber kann kein Ergebnis schätzen, das scheinbar mühelos erreicht wurde. Es müssen immer Blut, Schweiß und Tränen geflossen sein. Er übersieht dabei gern, dass Anstrengung allein nicht zum Ergebnis führt.

  • Sei stark!

Besonders Männer folgen diesem Antreiber, zunehmend aber auch Frauen dem Ideal der „starken Frau“. Es scheint ja auch nichts Falsches daran zu sein, die eigene Stärke zu entwickeln.
Dieser innere Antreiber kann allerdings tödlich sein, denn er hindert uns daran, Hilfe zu suchen. Wenn uns die Arbeit über den Kopf wächst, aber auch, wenn wir krank sind, akzeptieren wir aufgrund seiner Einschränkung keine Hilfe. Was brauche ich die anderen Kollegen? Und was brauche ich einen Arzt? Das ist alles nur für Weicheier. Das geht gut bis zum totalen Zusammenbruch. Und eine Führungskraft mit diesem inneren Antreiber wird auch Mitarbeiter, die Hilfe suchen oder gar krank im Bett bleiben, geringschätzen.

Und was machen wir jetzt?

Der erste Schritt, einem Skript die Macht zu nehmen, ist, es als solches zu erkennen. Glauben sie nicht, dass das einfach sei! Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass sie einem Skript folgen, sie denken und sagen: „Ich bin einfach so!“

Das ist ein Irrtum. Das Skript habe ich übernommen, es ist in Wahrheit nicht meines.

Der nächste Schritt ist, zu erkennen, woher das Skript stammt. Dann kann ich auch erkennen, ob es überhaupt Gültigkeit haben kann. Der Großvater mag mit seinem Antreiber noch gut gefahren sein, aber inzwischen hat sich die Welt weitergedreht. „Wie der Vater, so der Sohn“ gilt nicht mehr!

Diese beiden Schritte sind allein nicht zu schaffen. Wir haben alle einen blinden Fleck, und der ist, was Skripte betrifft, besonders groß. Wir brauchen also jemanden, der uns den Spiegel vorhält und jemand, der uns hilft, unsere Vorbilder aus der Kindheit als das zu sehen, was sie sind oder waren: Als fehlbare Menschen, die auch ihren eigenen Skripten folgen mussten.

Der dritte Schritt ist, dem Skript nicht mehr zu folgen. Das wird uns zuerst schwer fallen, aus Gewohnheit und aus schlechtem Gewissen. Denn unser Inneres Kind will weiterhin den Eltern gehorchen, auch wenn wir längst erwachsen und selbstständig geworden sind. Sogar, wenn sie schon gestorben sind, fühlt sich das Innere Kind ihnen verpflichtet.

Fazit

Niemand geht ohne ein Skript durch die Welt. Die Frage ist nur, ob es mich so stark einschränkt, dass ich nicht mehr zielführend handeln kann. Wenn das der Fall ist, ist es sinnvoll, sich Hilfe zu holen, sei es bei guten Freunden oder bei einem fähigen Coach.

Es ist nicht einfach, die Imperative eines Skripts zu löschen. Tut man es allerdings nicht, wird der innere Konflikt sich immer dann negativ bemerkbar machen, wenn wir dem Skript nicht folgen.

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