Die wechselseitige Unterstützung eines Paares

Sie wissen wahrscheinlich genau, wie wichtig es auch für Ihre Karriere ist, dass die Beziehung, in der Sie leben auch funktioniert. Deshalb spreche ich heute einmal ein Thema aus dem Paarcoaching an.

Die wechselseitige Unterstützung ist eine wesentliche Funktion einer Paarbeziehung. Vor allem in stressigen Zeiten wird diese Funktion wichtig, hier muss sich die Paarbeziehung bewähren. Von den Psychologen wird diese Unterstützung „dyadisches Coping“ genannt. Eine Dyade ist eine Zweierbeziehung, als Coping wird die funktionierende oder nicht funktionierende Unterstützung bezeichnet.

Welchem Beziehungsstress kann ein Paar ausgesetzt sein?

Zum einen gibt es den Stress, den ein Paar gemeinsam ausgesetzt ist, der sie beide direkt betrifft. Das ist zum Beispiel ein Hausbau, Probleme mit den Kindern oder ständiger Geldmangel. Darüber hinaus gibt es den Stress, der einen Partner direkt betrifft, den anderen nur mittelbar. Beispiele dafür sind der Tod eines Elternteils beim Partner oder Ärger des Partners im Beruf.

Wird Stress durch singuläre Ereignisse ausgelöst, zum Beispiel durch eine Kündigung oder eine schwere Krankheit, erfährt das Paar in der Regel Unterstützung und Verständnis durch die Umwelt. Eine Beziehung, die schon vorher funktioniert hat, wird diese Belastung wahrscheinlich überstehen.

Anders sieht das bei ständigem, schleichendem Stress aus, zum Beispiel durch Mobbing oder Bossing oder ständige Überlastung eines Partners. Hier kann man den Finger nicht direkt auf die Wunde legen, der Stress ist von außen nicht ohne weiteres erkennbar. Im Gegensatz zur singulären Belastung kann das Paar hier kaum auf Verständnis der Umwelt hoffen.

Das Paar ist also ganz auf sich allein gestellt. Und auch eine funktionierende Beziehung kann durch eine chronische Belastung langsam ausgehöhlt werden und zerbrechen. Dauerstress macht mürbe.

Funktionierende Unterstützung des Partners (Coping)

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie sich ein Paar wechselseitig wirkungsvoll unterstützen kann. Welche davon ausgewählt wird, hängt von der Art des Stresses und der Natur des jeweiligen Partners ab.

  • Gemeinsames Coping
    Dabei gehen die Partner gemeinsam den Stress an. Das ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn der Stress auch beide Partner betrifft.
  • Unterstützendes Coping
    Hierbei bekämpft ein Partner den Stressor direkt, der andere unterstützt ihn. Ein klassisches Beispiel ist Stress im Beruf, den der andere Partner natürlich nicht direkt angehen kann.
  • Delegiertes Coping
    Bei diesem Vorgehen übernimmt ein Partner die Verantwortung für die Lösung eines Stressors, der eigentlich in den Aufgabenbereich des anderen fällt. Ein klassisches Beispiel ist, dass die Mutter ein Gespräch mit der Schule eines Kindes übernimmt, weil der Vater durch den Beruf hoch belastet ist. (Ich sage nicht, dass dieses Vorgehen richtig sei, es dient hier nur als Beispiel.)

Nicht funktionierende Unterstützung in der Beziehung

Ein Partner könnte die Unterstützung des anderen auch verweigern, indem er es ablehnt, über dessen Stress zu reden. Möglicherweise baut er sogar eine weitere Stress-Front auf und schützt sich so vor dem Stress des Partners, indem er vorwurfsvoll reagiert („Ich habe Dir ja gleich gesagt, Du sollst Dich nicht so um Deine Mutter kümmern!“) oder destruktive Kritik übt („Du konntest Dich ja noch nie gegen Deinen Chef durchsetzen!“).

Aber auch scheinbar funktionierendes Coping kann destruktiv sein. Dazu zählt, den Partner nur formal zu unterstützen, ohne sein Problem wirklich ernst zu nehmen („Das wird schon wieder!“). Eine weitere Möglichkeit ist, die Unterstützung mit einer Giftspritze zu versehen („Na gut, ich helfe Dir wieder. Aber Du wirst schon sehen, es wird wieder nichts nützen.“)

Was braucht wirksame Unterstützung

Wirksames Coping funktioniert nur, wenn die Partner sich gegenseitig wirklich kennen, wenn sie sich über ihre Stärken und wunden Punkte ausgetauscht haben und wenn sie die Auswirkungen des Stressors auf den Partner abschätzen können. Dazu brauchen sie gemeinsame, ausschließlich ihnen gehörende Zeit und eine funktionierende Kommunikation. Es reicht nicht, zum Beispiel einen Stress im Büro einfach zu schildern („und dann hat sie gesagt … und dann habe ich gesagt …“), sondern es ist notwendig, die auftretenden Gefühle klar zu benennen. Sonst kann der Partner kaum erkennen, was die eigentliche Ursache der Verletzung ist. Er bietet dann vielleicht Unterstützung in völlig falscher Richtung an, der einen Streit vorprogrammiert („ Du verstehst mich nicht!“, oder „Du hörst mir gar nicht zu!“)

Es ist außerdem wichtig zu erfahren, ob sich der Partner seinen Ärger „nur“ von der Seele reden möchte, oder ob er eine Veränderung der Verhältnisse erreichen möchte.

Aktives Zuhören

Immer sind bei solchen Gesprächen die Regeln des aktiven Zuhörens zu beachten:

  • Wer redet, hat das Wort. Unterbrechungen sind verboten.
  • Akustisches Grooming ist hilfreich. Der zuhörende Partner gibt dabei durch kurze Geräusche, Worte oder Bewegungen zu verstehen, dass er dem Sprecher folgt.
  • Nachfragen, wenn man Zweifel hat, ob man etwas richtig verstanden hat. Zu diesem Zweck darf der Redende unterbrochen werden.
  • Nicht vorschnell Ratschläge geben. Deine Lösung passt für Dich, nicht unbedingt für Deinen Partner!

Auch für den Sprecher gelten Regeln:

  • Fasse Dich so kurz wie möglich, erkläre die Zusammenhänge aber so ausführlich wie nötig.
  • Wiederhole Dich nicht ständig.
  • Schildere Deine Gefühle und Empfindungen.
  • Vergewissere Dich, dass der andere Dich richtig verstanden hat. Sei dabei geduldig: Dinge, die Dir klar sind, muss der andere noch längst nicht verstanden haben.

Was braucht es noch?

Um gemeinsam als Paar Stress angehen zu können, benötigt es gemeinsame Zeit. Es reicht kein Gespräch zwischen Tür und Angel, beide müssen sich Zeit nehmen. Versuchen Sie Stress nicht ungefiltert nach Hause zu tragen. Mir hat die Heimfahrt auf dem Motorrad geholfen, nach der Arbeit auf andere Gedanken zu kommen. Es hat mir ein Grinsen auf das Gesicht gezaubert, mit dem ich dann zur Tür hereingekommen bin. Andere Leute gehen Joggen oder machen einen Spaziergang.

Vereinbaren Sie feste gemeinsame Zeiten, in denen Sie ungestört miteinander den Tag besprechen – oder was ihnen sonst auf dem Herzen liegt. Seien Sie während dieser Zeit aufmerksam. Es gelten die Regeln einer Geschäftsbesprechung: Smartphones (und Fernseher) bleiben aus, auch andere Störungen sind zu vermeiden.  Denn dieses Gespräch ist vielleicht das Wichtigste des ganzen Tages: Es kann Ihre Beziehung retten.

Keine falsche Scham, aber auch keine falsche Schonung des Partners! Sie haben sich schließlich zusammengetan, um gemeinsam das Leben zu meistern. Trauen Sie Ihrem Partner ruhig zu, dass er es aushält, Ihre Schwierigkeiten und Ihre schwachen Punkte zu sehen. Sie sind weder Märchenprinzessin noch Prinz, und das sollte er wissen.

Fazit

Stress, vor allem schleichender Dauerstress, kann Paare auseinanderbringen. Durch gelingendes dyadisches Coping kann ein Paar dem entgegentreten. Aber es gibt nichts umsonst: Das Paar braucht gemeinsame Zeit. Diese Zeit ist gut investiert, denn sie kann ihre Beziehung retten. Eine Beziehung, die zerbricht, ist ein Stressfaktor, der Ihre Gesundheit stark belastet und meist auch mit einem Bruch in der Karriere einhergeht.

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