Ist Karrierecoaching der Turbo?

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Ist Karrierecoaching der Turbo für Führungskräfte?

Ist Karrierecoaching möglich?

Wenn ich wieder einmal eine Spam bekomme mit dem Titel: „Verdoppeln Sie Ihr Geld in 4 Wochen!“, dann frage ich mich, warum die Spammer ihre tollen Tricks nicht selber anwenden. Da könnten sie aus 1.000 Euro innerhalb eines Jahres über 4 Millionen machen und sich dann zur Ruhe setzen. Ich würde es, wenn mir der Trick bekannt wäre, genau so machen. So habe ich das Gefühl, dass die Spammer den Trick auch nicht kennen, sondern nur mein Geld wollen.

Ähnlich geht es mir, wenn ich lese: „Wir coachen Sie zum nächsten Karrieresprung!“ Auch da frage ich mich, warum die Coachs, wenn sie den Königsweg nach oben kennen, nicht selbst Karriere gemacht und ihr eigenes Karrierecoaching betrieben haben und längst Vorstandsvorsitzende sind. Muss also ein Karrierecoach durch die eigene Karriere bewiesen haben, dass er weiß, wie man aufsteigt? Ich meine, dass das nicht so ist, und werde das weiter unten begründen.

Anders ist das bei einem Seminar (zu den Unterschieden siehe hier). Da weiß der Seminarleiter wie es geht und gibt sein Wissen an die Teilnehmer weiter. Und er sollte das, was er lehrt, auch bereits erfolgreich in der Praxis angewendet haben, um zu wissen, welche Fallstricke da lauern.

Der Coachee muss seinen eigenen Weg finden

Im Personal Coaching hingegen – und Karrierecoaching ist eine Form davon – nützt es dem Coachee kaum etwas, wenn er weiß, wie andere, also auch sein Coach, Karriere gemacht haben. Denn die passende Methode ist zu sehr von der Persönlichkeit des Einzelnen abhängig, als dass da Ratschläge hilfreich wären. Trotzdem ist Coaching der Karriere förderlich. Was macht also der Coach mit seinem Coachee, wenn er ihm wirklich hilft?

Im Wesentlichen fragt er. Er bringt ans Licht, was die eigentlichen Wünsche des Coachees sind, welche Ressourcen er hat, welche Fähigkeiten und welche inneren Widerstände. Dabei braucht er weder die Probleme noch die Antworten seines Coachees wirklich zu verstehen, er muss nur den Prozess der Lösungsfindung – auch im Karrierecoaching – beherrschen. Klar, wenn er merkt, dass dem Coachee eine Fähigkeit fehlt, kann er in den Seminar-Modus umschalten, dann geht es um Wissensvermittlung, und dann stimmt das weiter oben zum Seminar Gesagte. Aber ein guter Coach wird seinem Klienten nicht sagen, wie etwas geht, sondern er wird ihn fragen, wie er sich etwas vorstellt, wie er sich die Zukunft denkt – nicht allgemein, sondern ganz konkret. Glauben Sie mir, diese Art der Fragestellung ist nicht einfach, der Coach muss sie gelernt und ausführlich geübt haben. Ratschläge geben ist viel einfacher, deshalb tun wir das auch meistens.

Eine erfolgreiche Führungskraft – der beste Coach?

Auch wenn es einleuchtend scheint, eine erfolgreiche Führungskraft ist nicht unbedingt der beste Coach. Denn der hat seine Methoden erfolgreich angewendet, aber das waren eben seine! Für den Coachee können diese Methoden völlig wirkungslos, ja sogar ausgesprochen schädlich für seine Karriere sein. Möglicherweise ist er mit diesen ihm fremden Methoden nicht mehr glaubwürdig, er muss sich verbiegen, um sie anzuwenden.

Coach und Coachee auf Augenhöhe

Auch eine weitere, wesentliche Voraussetzung ist in dieser Situation nicht mehr erfüllt: Coach und Coachee sind mehr gleichberechtigt, wenn der Coach ein Star ist. Es kommt leicht dazu, dass sich der Coachee nur noch berieseln lässt und der Coach zum Guru wird. Wesentlich für ein gutes Karrierecoaching ist, dass der Coach den Coachee dabei  fördert, selbst an sich zu arbeiten und auch seine versteckten und dunklen Seiten zu erkennen. Denn der Coachee selbst ist der Experte für seine Probleme und auch für deren Lösungen.

Der Coach kennt nur die Fragen und hat einen großen Methodenkoffer, aber er kennt nicht die Antworten. Und deshalb hat er vielleicht auch nie Karriere gemacht. Oder er hat eine ganz andere Vorstellung von Karriere.

Wenn Sie mehr über die Methode wissen möchten, schauen Sie bitte hier.

Autor: Roland Scherer

Roland Scherer, Jahrgang 1951, Buchautor, systemischer Personal und Life-Coach. Ausbildung und Zertifizierung zum Psychologischen Berater und Coach. Sein Schwerpunk liegt auf lösungsfokussierte Gesprächsführung, systemisches Denken und Handeln und Aufstellungen. Er praktiziert seit Jahren im Rahmen der Begleitung seiner Klienten Systemische Aufstellungen, wobei er die Systemische Struktur-Aufstellung nach Insa Sparrer und Mathias Varga von Kibéd als besonders hilfreich erfahren hat.

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