Was ist bei der Titanic falsch gelaufen?

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Am 14. April 1912 kollidierte das damals größte Passagierschiff der Welt etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland mit einem Eisberg, lief voll Wasser und sank. Dabei ertranken 1.514 der über 2.200 Menschen an Bord. Das war eine der größten Schifffahrtskatastrophen.

Was war falsch gelaufen?

  • Selbstüberschätzung
    Die Titanic galt als das sicherste Schiff ihrer Zeit, den Passagieren wurde erzählt, es sei praktisch unsinkbar. Jeder hielt eine solche Katastrophe für unmöglich. Selbst nach der Kollision gingen viele Passagiere nicht in die Rettungsboote, weil sie den Verbleib auf der Titanic für sicherer hielten.
  • Entscheidungen wurden nicht vor Ort gefällt
    Die Reederei war daran interessiert, den Atlantik möglichst schnell zu überqueren. Ein Reduzieren der Geschwindigkeit durch Kapitän Edward John Smith hätte sie nicht gut geheißen. Aber auch der Kapitän wollte seine wahrscheinlich letzte Atlantiküberquerung (er sollte nach dieser Fahrt in den Ruhestand gehen) mit einem Rekord krönen.
  • Mangelnde Fürsorge
    Den Passagieren der Titanic wäre es wahrscheinlich egal gewesen, etwas später in New York anzukommen, wenn dadurch die Fahrt weniger riskant geworden wäre. Aber Führungskräfte haben die Titanic zur Selbstverwirklichung missbraucht.
    Weiterhin gab es viel zu wenig Rettungsboote, die Reederei hatte auf die ausreichende Ausstattung verzichtet.
  • Fehler wegen ungewohnter Technik
    Funk gab es zu dieser Zeit noch nicht lange an Bord von Schiffen, und er wurde als für die Schiffsführung nicht als notwendig erachtet. So waren die Funker mit der Versendung von Telegrammen der Passagiere beschäftigt und empfingen die Eisbergwarnungen anderer Schiffe nicht.

Gezockt haben also die, die nicht an Bord waren. Das Risiko getragen und untergegangen sind die, die keinen Einfluss auf den Gang der Ereignisse hatten.

Haben Sie schon einmal ähnliches erlebt? Ich jedenfalls war einmal bei einem Konzern beschäftigt, der durch falsche Entscheidungen und einen „Eisberg“, der unvermutet auftrat, fast untergegangen wäre. Durch fremde Hilfe und mit viel Glück konnte er gerade noch so gerettet werden. Aber die Arbeiter und Angestellten mussten Einkommenseinbußen hinnehmen, etlichen wurde auch gekündigt. Die Verantwortlichen haben die Katastrophe dagegen gut überlebt.

Projekte werden durch die gleichen Fehler versenkt

Die typischen Fehler in Projekten

Auch Projekte können durch diese Art von Fehlern versenkt werden. Die oben aufgeführten Punkte kommen vor, und trotz bester Planung können Sie diese als Projektleiter nicht immer vermeiden. Deshalb sollten Sie jederzeit für solche Situationen einen Plan B in petto haben, damit Sie nicht unvorbereitet in eine Situation stolpern, die Sie nicht mehr beherrschen können.

  • Selbstüberschätzung
    Wenn Sie sich auf eine schwammige Festlegung der Ziele und Randbedingungen einlassen und die Planung des Vorgehens versäumen („Nun fangen Sie einfach schon mal an!“), sind kostspielige Umwege beinah unvermeidlich.
    Selbstüberschätzung beinhaltet auch den lässigen Umgang mit weniger wahrscheinlichen Risiken. Hier keinen Plan B zu haben, führt schnell zur Katastrophe.
  • Entscheidungen werden nicht vor Ort gefällt
    „Vor Ort“ heißt hier von den Leuten, die sich fachlich auskennen. Wenn Vorgesetzte, die nicht im Projekt involviert und mit seinem Fortgang vertraut sind, Entscheidungen über die Köpfe der Fachleute hinweg fällen („Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf Ihrer Vorgesetzten!“), wird nicht nur durch die möglicherweise falsche Entscheidung das Projekt verzögert, sondern auch dadurch, dass sich die Fachleute übergangen und gering geschätzt fühlen. Wer in seinem Fachgebiet nicht wert geschätzt wird, wird sich auch wenig Mühe geben.
  • Mangelnde Fürsorge
    Stimmen die Randbedingungen für die Projektmitarbeiter nicht, haben sie also keine angemessene Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und Besprechungsräume, haben die Mitarbeiter höchstwahrscheinlich einen niedrigen Wirkungsgrad.
    Es ist eine Ihrer wichtigsten Aufgaben als Vorgesetzter, für eine materiell und mental gute Arbeitsumgebung zu sorgen.
  • Fehler wegen ungewohnter Technik
    Ein Projekten leidet, wenn Ausbildung und Erfahrung der Projektmitarbeiter mangelhaft sind. In einem solchen Fall müssen Sie Zeit für die Ausbildung der Mitarbeiter einplanen. Sie müssen auch damit rechnen, mehr Aufwand bei der Führung der Mitarbeiter zu haben.

Fazit

Sie sehen also, ein Projekt zum Erfolg zu führen, ist dem Navigieren eines Schiffs zum Zielhafen nicht unähnlich. Was Ihnen im Projekt passieren kann, ähnelt chaotischem Wetter, unberechenbaren Wellen bis zur Größe eines Kaventsmanns und versteckten Hindernissen. Deshalb: guten Wind, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und lassen Sie sich von Ihrer Reederei nicht ins Bockshorn jagen!

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