Sei erfolgreich!

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Man könnte meinen, das sei der kollektive Antreiber aller Deutschen, denn wer in Deutschland scheitert, schweigt oder lügt, verdrängt den Misserfolg.

Zur Erinnerung: Antreiber und Einschärfungen sind Begriffe aus der Transaktionsanalyse. Sie beschreiben Handlungsmuster eines Menschen, die er in der Kindheit übernommen hat, um sich tatsächlichen oder vermeintlichen Grundbotschaften der Eltern zu unterwerfen. Sie bleiben ein Leben lang wirksam und können die eigene Handlungsfreiheit erheblich einschränken, wenn man sich ihrer nicht bewusst ist und sich nicht die Erlaubnis gibt, anders zu handeln.

Dabei gehört Scheitern zum Leben. Jeder, der erfolgreich ist, sei es eine Person oder eine Organisation, ist auch schon einmal bei der einen oder anderen Gelegenheit gescheitert, hat daraus gelernt und ist deshalb erfolgreich geworden. Nicht mit dem Wahlspruch „Augen zu und durch!“, sondern weil sie die Augen auf gemacht haben und genau hingeschaut haben. Scheitern nicht wahrhaben zu wollen, ist menschlich, aber nicht erfolgversprechend.

Der innere Antreiber „Sei erfolgreich“

„Sei erfolgreich!“ ist als Antreiber – wie alle diese Sätze – nicht hilfreich. Menschen, die nie gescheitert sind, deren Lebensweg immer geradeaus gegangen sind, sind im Grunde langweilig, weil ihnen wichtige Erfahrungen fehlen. Sie sind nie wirklich gefordert worden, haben ihre Komfortzone nie verlassen, hatten nie neue und damit riskante Ideen. Neue Vorhaben zu beginnen heißt auch, die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns zu erhöhen, denn man wagt sich auf unbekanntes Terrain und hat die Chance, Neues zu lernen und setzt sich dem Risiko aus, das nicht rechtzeitig zu tun.

Chefs sollten beim Bewerbungsgespräch nicht fragen: „Was waren Ihre größten Erfolge?“. Denn weniger trivial ist die Frage: “Sind Sie schon einmal so richtig gescheitert? Und was haben Sie daraus gelernt?“ Das sagt mehr über einen Menschen aus, denn man merkt, ob ihm wesentliche Erfahrungen fehlen, oder ob er seine Fehler verdrängt, oder ob er lügt – oder ob er die Resilienz hat, nach einem Misserfolg wieder aufzustehen.

Klar, es ist besser, bei einem drohenden Misserfolg die Gefahr rechtzeitig zu bemerken, als die Karre krachend gegen die Wand zu fahren. Aber wenn es nun schon einmal passiert ist, ist es gut, wenn man gelernt hat, kreativ damit umzugehen. Nicht, indem man einen Misserfolg kreativ zum Erfolg ummünzt, sondern indem man lernt und den Schaden minimiert. Nichts ist peinlicher als Politiker, die am Wahlabend die Verluste ihrer Partei zu Erfolgen umzudeuten versuchen.

Die Suche nach den Schuldigen

Einen Misserfolg zuzugeben, ist aber in Deutschland immer noch gefährlich, denn man verhält sich so, als sei er ansteckend und versucht sich möglichst fern zu halten. Und dann kommt die Lieblingsbeschäftigung aller Kleingeister: die Suche nach dem Schuldigen.

Bitte machen Sie diesen Fehler nicht! Wenn Sie von einem Misserfolg hören, schauen Sie nicht voller Verachtung auf die Beteiligten, sondern schauen Sie, was Sie davon lernen können und was die Beteiligten aus dem Misserfolg gemacht haben.

Gefährlich ist vor allem die Verdrängung des Misserfolgs, denn dann wirft man gutes Geld schlechtem hinterher. Man zahlt Lehrgeld, ohne daraus zu lernen. Ist man nicht mehr Herr der Situation, sollte man das gescheiterte Projekt aufgeben und etwas Neues beginnen. Meist werden diese Schritte aus Angst unterlassen, weil man das Scheitern zugeben muss.

In dieser Beziehung können Sie allerdings nur frei agieren, wenn Sie Einschärfungen, Antreiber und Glaubenssätze aus Ihrer Kindheit bearbeitet haben. Und sagen Sie nicht, bei Ihnen gäbe es keine solchen Einschränkungen! Alle Menschen haben sie sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Wichtig ist, sie zu erkennen und zu bearbeiten, um zusätzliche Freiheitsgrade zu erreichen. Gerne begleite ich Sie bei dieser nicht ganz einfachen Aufgabe.

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