Resiliente Organisationen

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Bisher wurde nur von der Resilienz von Personen gesprochen, mehr und mehr wird auch von Organisationen Resilienz gefordert. Resilienz muss allerdings unterschiedlich definiert werden, je nachdem, auf welche Art von Systemen sich diese Eigenschaft bezieht. Klammern wir rein technische Systeme aus und bezeichnen in diesem Papier nur Menschen und Organisationen als Systeme, lassen sich bei aller Vorsicht dennoch übergreifende Definitionen finden.

Begriffsklärung

Versuchen wir uns zuerst einmal an der Klärung der Begriffe. Es geht um die Reaktionsmöglichkeiten eines anfänglich stabilen Systems auf äußere oder innere Störungen, wobei unter System sowohl ein einzelner Mensch als auch eine Organisation verstanden werden kann.

  • Fragil (zerbrechlich)
    Ein fragiles System ist zerbrechlich insofern, als es bei jeder bei Störung versagt. Wobei man nicht vergessen darf, dass jedes System fragil ist, wenn die Störung nur groß genug ist und unerwartet eintritt.
  • Robust (unzerbrechlich, unveränderlich)
    Ein robustes System ändert seine Struktur nicht, hält aber den Störungen ohne Versagen stand, sofern diese klein genug sind. Da es sich nicht ändert, lernt es nicht aus Belastungen und versagt bei Überschreiten einer bestimmten Schwelle schlagartig. Viele Systeme sind robust gegen erwartete Störungen, denn das Fehlermanagement hat die Aufgabe, mögliche Störungen vorherzusehen und das System dagegen robust zu machen.
  • Resilient (elastisch)
    Ein resilientes System war ursprünglich definiert als eines, das auf Störungen elastisch reagiert, also nachgibt, ohne zu versagen. Es geht bei Entlastung wieder in seinen Ausgangszustand zurückgeht. Inzwischen haben Soziologen und Psychologen diesen ursprünglich technischen Begriff erweitert. Bei Personen und Organisationen gehört nun dazu, dass diese aus Störungen lernen und so ihre Widerstandskraft durch Stärkung ihrer Ressourcen erhöhen. Sie ändern sich also bei Störungen zum Positiven.
  • Antifragil (änderungswillig)
    Nassim Taleb bezeichnet ein System als antifragil, wenn es aus Störungen nicht nur lernt, sondern sie als Möglichkeit zur Weiterentwicklung begrüßt. Es ist sich darüber im Klaren, dass es ohne Störungen einfach aufgrund der Alterung schwächer wird. Störungen sind für ein solches System sozusagen ein Jungbrunnen.

Der Begriff „antifragil“ ist vor allem deshalb geschaffen worden, weil Resilienz oft mit Durchhaltevermögen gleichgesetzt wird. Das ist für ein auf Dauer erfolgreiches System zu wenig. Ein System nur mit Durchhaltevermögen ist im Wesentlichen robust (weiter…), ein antifragiles geht weit darüber hinaus.

Antifragilität bei Organisationen

Dass der Mitarbeiter der Zukunft resilient zu sein hat, darüber ist schon genug geschrieben worden. Wenden wir uns also Organisationen zu, wie können diese Resilienz, oder besser Antifragilität erreichen?

Systemisch betrachtet, haben Organisationen wie alle Systeme selbst keine Eigenschaften, es sieht nur so aus, denn man schließt aus ihrem Verhalten auf Eigenschaften. Das Verhalten einer Organisation resultiert aber aus dem Zusammenwirken ihrer Elemente. Damit also eine Organisation antifragil ist, müssen ihre Mitglieder antifragil zusammenarbeiten. Was heißt das aber, und wie erreicht man das?

Resilienzmanagement

Die Professorin Jutta Heller hat Punkte zusammengestellt, mit denen man eine Umgebung gestalten kann, in der Resilienz möglich ist. Sie nennt das Resilenzmanagement und legt dar, dass es die Aufgabe der Leitung ist, Resilienz für eine Organisation zu erreichen. Also ist der Projektleiter auch für die Resilienz der Projektorganisation verantwortlich. Weil diese Organisation nicht lange besteht und immer wieder Mitarbeiter sie verlassen und ihr beitreten, ist diese Aufgabe besonders herausfordernd. Schließlich haben in einer Matrixorganisation die Projektmitarbeiter auch noch andere Interessen und Aufgaben. Deshalb sollte der Projektleiter ein Auge auf die folgenden Punkte haben.

  1. Achtsamkeit üben
    Auch schwache Signale beachten, denn scheinbar kleine Störungen können sich zu Katastrophen auswachsen.
  2. Regeln brechen
    Experimente führen zu neuen Lösungen, Veränderungskompetenz zu innerer Stärke.
  3. Ambiguität tolerieren
    Eine „sowohl-als auch-Haltung“ ist notwendig. (weiter…)
  4. Fehler akzeptieren
    Fehler sind Lernchancen, im Projekt erkannte Fehler treten beim Kunden nicht mehr auf. (weiter…)
  5. Kollegen achten
    Gegenseitige Achtung muss unabhängig von Hierarchie, Alter und Geschlecht sein. (weiter…, weiter…)
  6. Expertise wertschätzen
    Fachwissen hat Vorrang, Hierarchie ist sekundär. (weiter…)
  7. Überforderung erkennen
    Den geduldigsten Esel nicht überlasten, nur weil er nicht schreit. (weiter…)
  8. Angst überwinden
    Unsicherheiten machen Angst. Diese kann man nur überwinden, wenn man sie anerkennt. (weiter…)
  9. Mitarbeiterwissen entwickeln
    Die rechtzeitige und gezielte Information der Mitarbeiter führt zu einem positiven Teamklima ohne Mobbing. (weiter…)
  10. Informationen richtig adressieren
    Informationen müssen gezielt verteilt werden. (weiter…)
  11. Netzwerke pflegen
    Die eigenen internen und externen Netzwerke pflegen, aber auch die der Mitarbeiter nutzen.

Ich habe versucht, nur die wichtigsten Regeln darzulegen, es sind trotz aller Beschränkung elf Stück geworden. An die wird man sich im täglichen Projektwahnsinn nicht immer erinnern, man wird also dagegen verstoßen. Aber ich habe eine gute Nachricht, die Regel, die hinter allen anderen steht, ist einfach und leicht zu merken:

Achte Dein Gegenüber!

Wenn Sie diese Regel befolgen und von Ihren Mitarbeitern das selbe einfordern, ist die wichtigste Voraussetzung für die Resilienz Ihres Projekts schon erfüllt. Probieren Sie es aus, lassen Sie sich beobachten oder beobachten Sie sich selbst quasi „von außen“, Sie werden sehen, Ihr Projekt wird fehlertolerant, stabil und vor allem lernfähig – mit einem Wort: antifragil.

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