Geistige Nebelwerfer verhindern effektive Kommunikation im Projekt

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weisser-Rauch-430250_RB_by_Andrea-Kusajda_pixelio.de_-683x1024Nebelwerfer* wurde im ersten Weltkrieg erfunden. Es sind Granatwerfer, deren Granaten nicht explodieren, sondern viel Rauch erzeugen. So kann der Feind ohne technische Hilfsmittel wie Radar nicht sehen, was hinter dieser Nebelwand passiert, die eigenen Aktionen sind getarnt. Was erreicht man durch diese Tarnung?

  • Man kann die eigene Stärke verschleiern. Hinter der Nebelwand lässt man heimlich seine eigenen Truppen aufmarschieren und hofft, dass der Gegner das nicht merkt und in die Falle läuft.
  • Man kann die eigene Schwäche verschleiern. Hinter der Nebelwand macht man möglichst viel Getöse und täuscht so eigene Stärke vor. Der Gegner ist verunsichert und traut sich nicht, anzugreifen.
  • Man kann einen Giftgasangriff verschleiern. Das ist wohl der perfideste Grund für ihren Einsatz, aber dafür sind Nebelwerfer eigentlich erfunden worden.

Man kann diese Techniken auch in den Niederungen der Schlammschlachten des Büroalltags gut gebrauchen. Sie werden dort oft genutzt und behindern eine effektive Kommunikation im Projekt.  Ich nenne die Leute, die das tun, „geistige Nebelwerfer“.

Columbo löste hämische Schadenfreude aus

Ein sympathischer Vertreter dieser Zunft war der Fernsehkommissar Columbo. Mit seinem verknautschten Trenchcoat und dem treuen Dackelblick sah er immer etwas geistig minderbemittelt aus. Und er stellte Fragen, die, weil sie so naiv schienen, genau zu diesem Bild passten. Weil die Fragen aber trotzdem raffiniert waren, gingen ihm die supergescheiten Bösewichter reihenweise ins Netz, was beim Zuschauer hämische Schadenfreude auslöste.

Wenn Sie einen solchen Kollegen als Gegner haben, also einen, der seine Stärke tarnt, haben Sie es schwer: er wird immer die Lacher auf seiner Seite haben, und Sie stehen immer wie ein Trottel da. Er wird Sie zwar nur einmal richtig überraschen können, aber es gibt im Grunde nur zwei Gegenmaßnahmen: Seien Sie schlauer, denken Sie schneller und weichen Sie so der Falle aus. Aber das ist schwer, die Columbos dieser Welt bereiten sich meist gut vor. Wenn Sie ihm in die Falle gelaufen sind, lachen Sie mit und erkennen Sie neidlos an, dass er Sie an der Nase herumgeführt hat. Damit bleiben Sie souverän.

Effektive Kommunikation im Projekt

Etwas einfacher haben Sie es mit Kollegen, die ihre eigene Schwäche tarnen:

  • Statistiker stützen ihre Argumente, indem sie mit Statistiken so virtuos jonglieren, dass die meisten Menschen gar nicht merken, wie sie betrogen werden. Gerne verschieben sie die Nulllinie von Grafiken, um in die so künstlich vergrößerten stochastischen Schwankungen deutliche Trends zu interpretieren. Oder sie benutzen logarithmische oder sonstige nichtlineare Koordinatensysteme, die auf den ersten Blick schwierig zu durchschauen sind. Gern konstruieren sie auch Korrelationen, wo keine vorhanden sind. Zum Beispiel hat ein Versicherungsstatistiker „bewiesen“, dass die Brandschäden, bei deren Bekämpfung viele Feuerwehrleute eingesetzt wurden, besonders groß waren. Logische Folgerung: im Brandfall keine Feuerwehr rufen, dann bleibt der Schaden klein!
    Hier hilft nur, die statistischen Tricks zu kennen und so diese Irreführungen aufzudecken.
  • Schwätzer haben zwei Taktiken: Entweder sie reden so viel, dass zum Schluss jeder ihnen zustimmt, damit sie endlich aufhören zu reden. Im Studentenparlament haben wir das damals als „Politik der breiten Ärsche“ bezeichnet: wer als letzter noch da war, hatte bei der Abstimmung recht. Bringen Sie diese Kollegen durch Zwischenfragen immer wieder zum Thema zurück. Oder, die zweite Taktik, sie spicken einen Vortrag so geschickt mit exotischen Fachausdrücken, Abkürzungen und Anglizismen, dass sie keiner ganz versteht. Wenn es geschickt gemacht ist, denkt jeder, es läge an ihm, dass er den Zusammenhang nicht kapiert, und hütet sich, sich das anmerken zu lassen. Tatsächlich aber ist ein solcher Vortrag nichts anderes als eine Aneinanderreihung geschickt aufgepeppter Trivialitäten. Machen Sie es hier wie Columbo: stellen Sie sich dumm und fragen Sie nach! Der Nebelwerfer wird sich in seinem eigenen Nebel verirren. Allerdings, Sie sollten vorsichtig sein: Es gibt ausgezeichnete Fachkräfte, die wissen wovon sie sprechen, sich aber so ungeschickt ausdrücken, dass sie wie Nebelwerfer klingen.
  • Giftspritzen – das sind die unangenehmsten Kollegen, auch, weil sie nur dann ihr Gift verspritzen, wenn sie in der stärkeren Position sind oder wenn sie im Rudel auftreten. Sie schmeicheln Ihnen mit Komplimenten und lassen dann, wenn Sie nicht mehr aufpassen, das Giftgas in Form versteckter, unfairer Angriffe auf Ihre Person los. Wenn Sie dann versuchen zurückzugiften, haben Sie schon verloren, denn Ihr Gegenüber hat seinen Angriff gut vorbereitet. Ich kenne solche Methoden aus Bewerbungsgesprächen, aber es gibt auch Chefs, die so Beurteilungsgespräche zu Minenfeldern machen. Sie können diese Angriffe entweder überhören und sie so ins Leere laufen lassen, oder Sie fragen gezielt nach: „Was meinen Sie mit der Aussage, dass…?“ Dann muss der Nebelwerfer seine Nebelwand verlassen und Farbe bekennen. Bleiben Sie aber immer souverän, zeigen Sie keinen Ärger.

Der geistige Nebelwerfer ist also nur scheinbar im Vorteil, wenn es Ihnen gelingt, auf die künstlich aufgebaute Nebelwand hinzuweisen, steht er plötzlich enttarnt und alleine da. Denn eines ist sicher: niemand mag diese Taktiker im betrieblichen Alltag. Eine faire Auseinandersetzung mit offenem Visier wird von den meisten Leuten vorgezogen.

*Der Name Nebelwerfer rührt nicht daher, dass das Gerät Nebel wirft, sondern weil sein Erfinder ein Herr Nebel war. Aber er wurde oft zur Vernebelung des Kriegsschauplatzes genutzt. Richtig heißen die von mir gemeinten Einrichtungen je nach Technik „Nebelmittelwurfanlage“ oder „Nebelgenerator“.

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