Mein interessantes Urlaubserlebnis

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LuberonMussten Sie auch solche Aufsätze am ersten Schultag schreiben? Ich habe es gehasst. Trotzdem schreibe ich jetzt freiwillig einen Blog über ein Urlaubserlebnis. Es war zwar nicht das interessanteste, das war privat und hier geht es um einen Business-Blog.

Wir sind also auf der Rückfahrt aus unserem Urlaub. Schön war es, Danke der Nachfrage, die Provence hat etwas, das uns immer wieder hinfahren lässt. Wieder einmal waren wir mit dem Wohnwagen unterwegs und haben uns wie immer viel Zeit für die Hin- und Rückreise gelassen. Und auf der Rückreise habe ich auf einem der Rastplätze diese Familie beobachtet, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Vater und Mutter, sie Anfang, er Ende dreißig, beide gut aussehend und nach dem Urlaub braungebrannt. Zwei kleine Kinder, vielleicht vier und sechs Jahre, nett angezogen und wohlerzogen, lebhaft nach dem langen Sitzen im Auto. Das Auto eine große Familienkutsche einer Nobelmarke. Kurz, eine Traumfamilie.

Die Mutter ging mit den Kindern zum Spielplatz, damit sie sich austoben konnten. Auch nichts Besonderes. Aber dann der Mann. Er stand neben seinem Auto, aufrecht und in der typischen Haltung des erfolgreichen Nachwuchsmanagers: Kinn raus, Brust raus, Bauch rein, gerade, aber nicht steif, den Blick in die Ferne anscheinend auf die Hügel des französischen Juras gerichtet.

Angst der Führungskraft im Urlaub

Als ich aber genauer hinschaute, merkte ich es:  der Mann sah nichts, es war der typische 1000-Meter –Blick. Um ihn herum war luftleerer Raum, die Kinder hielten Abstand vom Vater, sie spürten, sie durften ihn jetzt nicht stören. Die Frau schaute ihn nur kurz an und wusste, dass er jetzt in Ruhe gelassen werden musste.

Vielleicht tue ich dem Mann ja unrecht und er war nur erschöpft von der Fahrt, oder er hatte einen Streit mit seiner Frau. Ich kann das nicht so recht glauben, dazu war sein Blick zu eindeutig. Der Mann war in Gedanken schon an seinem Schreibtisch. Er konnte die Rückkehr kaum erwarten, denn er hatte als Führungskraft Angst vor dem Arbeitsbeginn am nächsten Montag. Angst vor den Leichen, die während seiner Abwesenheit nach oben getrieben waren, weil er sie nicht rechtzeitig tiefer in den Sumpf hatte versenken können. Angst vor den Kollegen, von denen er nicht wusste, wie sie seine Abwesenheit zu Intrigen genutzt hatten. Wer hatte in den letzten 14 Tagen an seinem Stuhl gesägt? Hatte er während des Urlaubs die Fäden erfolgreich über das I-Phone in der Hand halten können?

Warum glaube ich, diese Ängste gesehen zu haben? Weil ich sie kenne. Ich habe sie oft genug bei jungen, ehrgeizigen High Potentials gesehen. Diese Männer und Frauen sind überzeugt, 24 Stunden an 365 Tagen erreichbar sein zu müssen. Sie haben Angst vor Fehlern, die sie schnell, bevor jemand etwas bemerkt, bereinigen müssen. Wenn der Handy-Empfang zusammenbricht, werden sie nervös. Sie haben kein Vertrauen, weder zu sich selbst noch zu ihren Mitarbeitern, Kontrolle ist für sie das A&O.

Ein souveräner Vorgesetzter sagt sich in solchen Situationen: „Meine Leute werden das schon machen!“ Er nutzt keine Intrigen, deshalb muss er sie auch weniger fürchten. Unser Mann vom Parkplatz im französischen Jura dagegen vertraut kaum sich selbst. Er nutzt schließlich selbst die Mittel, die er so fürchtet. Und weil er in seiner Familie nur eine einzige Rolle spielt, die des Geldverdieners, findet er nur in dieser Rolle seine Daseinsberechtigung. Nur dafür wird er gebraucht, und nur deshalb wird er geliebt, denkt er. Seine Kinder werden ihn nicht kennenlernen, und seine Frau wird verzweifelt nach dem charmanten Mann suchen, den sie einmal geheiratet hat. Denn eins ist klar, Angst macht unfähig zur Liebe, körperlich und vor allem seelisch.

Mach es besser!

Was tun, damit Sie nicht in die Fußstapfen dieses  bedauernswerten Menschen treten? Dazu gibt es einige einfache Regeln. Die wichtigste ist, menschlich zu bleiben. Behandeln Sie Ihre Kollegen als Kollegen und nicht als Feinde, damit die nicht zu Angstbeißern werden müssen. Und behandeln Sie Ihre Mitarbeiter als denkende Wesen, nicht als Befehlsempfänger. Lassen Sie Fehler als Möglichkeit zum Lernen zu, so werden Ihre Mitarbeiter Ihre Fehler stillschweigend ausbügeln, wenn sie gerade nicht erreichbar sind. Nur so, und nicht durch gesteigerten Druck und gesteigerte Kontrolle werden Sie auf Dauer erfolgreich. Nur so können Sie sich auch einmal drei Wochen Abwesenheit leisten und diesen Urlaub genießen. Bevor ich es vergesse, noch ein Tipp:  Lassen Sie sich nicht zu viel aufbürden. Sagen Sie rechtzeitig „Nein“! Wenn Sie Ihre Möglichkeiten und Ressourcen realistisch einschätzen, wird das auch „oben“ gesehen.

Wie ging es auf dem Parkplatz im Jura weiter? Unser Performer sprang, als die Familie endlich wieder im Auto saß, hinters Steuer und fuhr mit quietschenden Reifen weiter. Ich bin sicher, sein Urlaub war keine Erholung, sondern war zu Ende, bevor er richtig angefangen hatte. Der Mann wird so erschöpft weiter machen, wie er schon vorher war. Und keiner, nicht einmal er selbst, darf merken, dass er als Führungskraft Angst hat .

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