Angst bei Projektleiter vor Versagen und Fehlern!

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Ängste von Vorgesetzten können ganze Bereiche lahmlegen - ProjektcoachingJetzt ist es aber gut! Das ist schließlich ein Business-Blog, und Angst bei Projektleiter ist ein privates Thema, das hat doch hier nichts zu suchen!

Wirklich? Ich behaupte, dass ein nicht geringer Teil unserer Handlungen im Beruf – auch bei Projektleitern – von Angst beeinflusst werden. Jeder intelligente, psychisch gesunde Mensch hat in bestimmten Situationen Angst, und welche Situationen das sind, hängt von dem Einzelnen und seiner Lebensgeschichte ab.

 

2015-04-11 Hinweis in eigener Sache! Diesen Beitrag habe ich schon vor einiger Zeit geschrieben und zur Veröffentlichung während meines Osterurlaubes terminiert. Als er dann automatisiert veröffentlicht wurde und ich ihn nochmals las, merkte ich, dass er wie eine Reaktion auf den Flugzeugabsturz in der Provence wirken muss. Das war so nicht geplant, denn ich bin nicht – wie so viele andere – auf diesen Zug aufgesprungen.

Der Satz „Jeder intelligente, psychisch gesunde Mensch hat in bestimmten Situationen Angst …“ scheint auf den Copiloten hinzuweisen. Aber der Copilot war nach allem, was wir wissen, wohl psychisch nicht gesund und so konnte er seine Probleme nicht bearbeiten. Auch der letzte Satz trifft nicht auf ihn zu.

Jeder, der jetzt versucht, von diesem Ereignis – und sei es auch nur politisch – zu profitieren – ist zynisch. Gerade hier gibt es keine einfachen Lösungen. Dies sollte auch den Hoheiten der Stammtische einleuchten.

 

Wenn Angst unser Tun bestimmt, sind wir nicht wirklich frei in unseren Entscheidungen, wir sollten uns also genauer ansehen, was uns einschränkt. Denn diese Einschränkung ist dann am größten, wenn wir uns unserer Ängste, ihrer Ursachen und Auswirkungen nicht bewusst sind. Denn dann gehören sie zu unserem blinden Fleck.

Wenn wir uns unserer Ängste bewusst sind, sind sie sogar hilfreich, denn wir erfahren von Ihnen, was sie uns zu sagen haben.

Angst vor einem Vortrag

Nehmen wir als Beispiel den Projektleiter Herrn M., der Angst hat, vor einer größeren Gruppe von Leuten zu sprechen. Nicht das normale Lampenfieber – das dadurch ausgeschüttete Adrenalin ist für einen guten Vortrag notwendig. Sondern nackte, hundsgemeine Angst. Herr M. ist sich dieser Angst bewusst, wird aber die Ursachen nicht kennen. Er könnte an seiner Angst arbeiten. Tut er es nicht, wird er viele Ausreden finden, warum er ausnahmsweise diesen Vortrag nicht halten kann. Und wenn er ihn doch halten muss, wird Herr M. sich in den Vorbereitungen so verzetteln, dass er nicht rechtzeitig fertig wird. Wenn es ganz schlimm kommt, sagt ihm sein Körper, dass er seinen Vortrag nicht halten kann. Vielleicht wird er sogar richtiggehend krank.

Wenn also Herr M. seine Angst bearbeiten möchte, hat er dazu verschiedene Möglichkeiten.

Die Angst verdrängen

Eine Taktik, die gern angewendet wird, die aber völlig kontraproduktiv ist. Physische Widerstände kann man mit mehr oder weniger Anstrengung bekämpfen, sie werden dann schwächer.  Im psychischen Bereich gilt dagegen: „Was Du bekämpfst, wird nur noch stärker!“ Eine verdrängte Angst wird sich mit Macht ihren Weg bahnen und im ungünstigsten Augenblick wieder auftauchen.

Finden Sie die Imperative hinter der Angst

Imperative sind uns meist in der Kindheit eingepflanzt worden, in Form von Einschärfungen (z.B. „Sei nicht wichtig!“) oder Antreibern (z.B. „Sei perfekt!“). Sie ähneln Glaubenssätzen, unterscheiden sich aber von diesen insofern, als sie nicht „gepredigt“ wurden, sondern jemandem subtiler und somit schwerer erkennbar vermittelt wurden. So wirken die Imperative auf einer noch tieferen Ebene als Glaubenssätze und sind umso wirksamer. Ein Imperativ führt zu einem Handlungsdruck, und wenn wir diesem nicht folgen, führt er zu einem inneren Konflikt, der angstauslösend ist.

Leider ist das Erkennen und vor allem das Löschen solcher Imperative eine aufwändige Angelegenheit. Wenn Ängste aber existenzbedrohend werden,  kommen wir nicht umhin, in dieser Richtung aktiv zu werden.

Malen Sie sich die Katastrophe aus

Überlegen Sie sich: Was kann mir schlimmstenfalls passieren? Wenn alles schief geht, was passiert dann? Diese Überlegungen zeigen Ihnen zweierlei:

  • Können Sie Gegenmaßnahmen treffen, und zwar vorher? Können Sie sich vielleicht sogar ein As in den Ärmel stecken, das Sie beruhigt?
  • Selbst nach der Katastrophe leben Sie weiter.

Genießen Sie den Triumph vorher

Was passiert, wenn Sie Ihren glänzenden Vortrag gehalten haben? Malen Sie sich aus, wie Sie souverän im Rampenlicht stehen, so wie der Keynote-Speaker, den Sie immer bewundert haben. Und genießen Sie Ihre Standing Ovations. Machen Sie sich klar, dass Sie ganz kurz vor Ihrem Triumph stehen!

Akzeptieren Sie die Angst

Wenn man genauer hinschaut, ist nicht die Angst das Schlimme, sie ist sogar nützlich. Sie bewahrt uns davor, Dinge zu tun, die uns schaden – z.B. unvorbereitet einen Vortrag zu halten.

Schlimm ist die „Angst vor der Angst“. In unserem Beispiel also die Angst, die Herr M. hat, beim Vortrag so viel Angst zu haben, dass er kein vernünftiges Wort herausbringt.

Akzeptieren Sie, dass Sie beim Vortrag Angst haben werden, dann können Sie diese „Meta-Angst“ beherrschen. So gelingt die Vorbereitung besser, Sie werden ruhiger und entspannter vor dem Vortrag sein.

Wann schadet Angst einer Firma?

Unser Beispiel, die Angst vor einem Vortrag, hat für eine Firma geringe Auswirkungen. Sie geht nicht pleite, nur weil ein Vortrag aus Angst herunter gehaspelt wurde oder ganz ausfiel.

Wirklich schädlich sind ganz andere Ängste. Wenn der Antreiber eines Vorgesetzten z.B. „Sei perfekt!“ und die Angst bei Projektleiter vor Versagen übermächtig ist, wird er keine Fehler zulassen und nicht delegieren können.

Ist der Antreiber „Streng Dich an!“, wird er von sich selbst und seinen Mitarbeitern aus Versagensangst endlose Überstunden verlangen. Das heimtückische dieses speziellen Antreibers ist, dass er gar nicht nach dem Ergebnis fragt, sondern nur den Aufwand maximiert.

Ängste von Vorgesetzten können ganze Bereiche lahmlegen. Deshalb sollten vor allem diese sich ihre Ängste genau anschauen und sie bei Bedarf bearbeiten.

Allerdings sind echte Angststörungen und Phobien ohne die Hilfe eines Therapeuten nicht in den Griff zu bekommen. Diese Erkrankungen sind nicht selten und müssen entschlossen angegangen werden. Denn Angststörungen werden in der Regel nicht von alleine besser, sie können sogar zu depressiven Störungen führen. Und Phobien können das Leben – auch das berufliche – ganz erheblich einschränken.

Was kann ich also tun?

Es gibt viele andere Möglichkeiten mit der Angst als Projektleiter umzugehen und sie zu beherrschen. Lassen Sie sich fachkundig coachen! Ich unterstütze Sie gerne in unseren gemeinsamen Coachinggesprächen, damit Sie in Ihrem Projekt so agieren können, dass erst gar keine Angst aufkommt.

Eigene Ängste anzuschauen ist ein Zeichen von Stärke.
Sie nicht zu beachten ist Feigheit.

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